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12.05.2020 16:52 Alter: 20 days
Kategorie: Junge Selbsthilfegruppen

Neue Selbsthilfegruppe für erwachsene Menschen mit Asperger


In Stade wird im Mai für erwachsene Menschen mit dem Asperger-Syndrom eine neue Selbsthilfegruppe gegründet. Aufgrund der Corona-Krise sind aktuell nur Treffen via Telefon oder Konferenzschaltung möglich. Die Selbsthilfekontaktstelle KIBIS des Paritätischen wird auf Wunsch telefonische Kontakte unter Betroffenen vermitteln. Betroffene, die mitmachen möchten, wenden sich an KIBIS unter der Rufnummer 04141 – 3856 oder per Mail: kibis-stade@paritaetischer.de.
Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus. Menschen mit dem Asperger-Syndrom haben eine veränderte Reizempfindung und –verarbeitung. Bestimmte Reize werden intensiver wahrgenommen – es können z.B. Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit auftreten. Diese veränderte Wahrnehmung hat ihre Vorteile – so nimmt ein Asperger-Autist oft Details in seiner Umwelt wahr, die anderen Menschen entgehen, sie können Muster und Strukturen schneller erkennen und denken sehr logisch. In sozialen Interaktionen kann bei ihnen jedoch schnell eine Reizüberlastung eintreten, da ihr Gehirn Reize schlechter ausblenden kann: Für einen Asperger-Autisten ist es anstrengend, unter vielen Menschen zu sein; belebte Orte werden als laut, chaotisch und wuselig wahrgenommen, das Gehirn überlastet.
Zugleich haben Asperger-Autisten Schwierigkeiten damit, im Gespräch spontan auf Emotionen zu reagieren. Sie sind stark darauf angewiesen, im Gespräch mit ihren Mitmenschen die soziale Interaktion bewusst zu analysieren: Sie müssen sich stärker auf Betonung, Mimik oder Gestik konzentrieren und diese Signale im Laufe ihres Lebens lesen lernen, um sich in der Gruppe „angemessen“ zu verhalten. Insbesondere Smalltalk fällt ihnen schwer – während andere Menschen durch das „Reden des Redens willen“ Kontakte knüpfen, fällt es ihnen schwer, über Themen zu sprechen, die sie nicht interessieren. Dies alles führt dazu, dass Menschen mit Asperger-Syndrom oft zurückgezogen leben und weniger Sozialkontakte als andere haben.
Betroffene erscheinen anderen Menschen manchmal merkwürdig, ungeschickt, ausweichend oder abweisend. So tendieren Menschen mit Asperger-Syndrom zu ihrem eigenen Schutz und Angst vor einer Reizüberflutung dazu, im Gespräch Augenkontakt zu vermeiden – dies kann vom Gesprächspartner als Unaufmerksamkeit fehlinterpretiert werden. Menschen mit Asperger versuchen außerdem gelegentlich, ihren Stresspegel durch repetitive Handlungen zu reduzieren wie z.B. im Kreis laufen, Wörter wiederholen, an den Haaren herumspielen oder Nägelkauen. Dies kann sich negativ auf berufliche und private Beziehungen auswirken.
Die Initiatorin der neuen Gruppe ist selbst betroffen. Sie sieht in der neuen Gruppe große Chancen für sich und andere Betroffene. Es ist ihr wichtig, gemeinsam über die Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit anderen zu sprechen und Handlungsstrategien zu entwickeln, jedoch auch sich über die spezifischen Stärken und deren Einsatzmöglichkeiten auszutauschen.