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28.06.2021 14:22 Alter: 157 days
Kategorie: Junge Selbsthilfegruppen

Stade: Neue Gruppe für erwachsene Menschen mit ADHS


In Stade entsteht eine neue Selbsthilfegruppe für erwachsene Menschen mit ADHS. Das erste Treffen findet statt am Dienstag, den 6. Juli, um 18.30 Uhr, in der Stader Altstadt. Nähere Informationen bei der Selbsthilfekontaktstelle, Kibis des Paritätischen.
ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, gibt es nicht nur im Kindes- sondern auch im Erwachsenenalter. Das allerdings ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Nach Schätzungen des Selbsthilfeverbandes ADHS Deutschland e.V. sind ca. zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen – viele ohne es zu wissen.
Dass es sich bei AHDS um eine reine „Kinderkrankheit“ handelt, ist inzwischen widerlegt. Bei rund der Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit ADHS besteht diese auch im Erwachsenenalter fort – nur ändert sie das Gesicht. Die typische Hyperaktivität in jungem Altern weicht einer inneren Unruhe, die aber nun nach Außen kontrolliert wird. Gerade aber im Übergang vom Kindesalter besteht eine Versorgungslücke, weil nach Ausscheiden aus der Betreuung eines Kinderarztes der Übergang ins allgemeine ärztliche Versorgungssystem oft nicht reibungslos funktioniert. Das hat eine Analyse mit Daten der gesetzlichen Krankenkassen ergeben.
Menschen mit ADHS haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit länger auf einen Gegenstand richten. Eine kleine Ablenkung, ein neuer Reiz und die Aufmerksamkeit richtet sich neu aus. Betroffene sind oft vergesslicher und machen häufiger Flüchtigkeitsfehler. Es fällt ihnen schwerer als anderen planvoll vorzugehen. Manche haben Probleme sich in ein Team zu integrieren. Im Bereich Ausbildung, Beruf und Privatleben erreichen Menschen mit ADHS häufiger als andere nicht das, was sie sich wünschen. Wiederholen sich Erfahrungen des Scheiterns, sinkt das Selbstwertgefühl. Andererseits können Betroffene sehr kreativ und engagiert sein, wenn sie etwas stark interessiert. ADHS gibt es in sehr unterschiedlichen Ausprägungsformen.
Viele Erwachsene erhalten viel zu spät eine ADHS-Diagnose. Mit der Diagnose sehen viele Erfahrungen des Scheiterns in ihrem Leben plötzlich in einem ganz neuen Licht. Erst dann können sie verstehen, was das eine mit dem anderen zu tun hat – und mit Behandlungen beginnen. Für viele ist die Diagnose Ausgangspunkt, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit versöhnen zu können.
Bei stärkeren Ausprägungen können gerade im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen dazukommen. Manche Menschen mit ADHS neigen zu risikoreichem Verhalten. Mitunter kommt es vor, dass Betroffene verschuldet sind – weil sie keinen Überblick über ihre Finanzen haben, zu Impulskäufen neigen oder im Geschäftsleben den Überblick verlieren.
Eine frühe Erkennung und eine fachgerechte Behandlung können Einschränkungen im sozialen Leben, in Ausbildung und Beruf mindern und zusätzliche Erkrankungen verhindern helfen.
Wer bei der neuen Gruppe mitmachen oder mehr Informationen möchte, kann sich ab sofort melden bei der Selbsthilfekontaktstelle im Landkreis Stade, KIBIS des Paritätischen, Tel. 04141 – 3856